Schmerzursache, Schmerzgeschichte

Die Schmerzgeschichte wird oft nicht beachtet – Folge #030

Schmerzursache

Wie kommt es zu Schmerzen aus der Geschichte?

Es gibt die unterschiedlichsten Ursachen für Schmerzen aus Deiner persönlichen Geschichte, die Du spüren kannst.

  1. Unfall
  2. Psychotrauma
  3. Entzündungen
  4. Funktionsstörung
  5. Wucherungen / Tumore
  6. Unklare Genese

Diese Aufzählung der Ursachen von Schmerzen aus der Geschichte der Patientinnen und Patienten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1) Lebensgeschichte als Ursache hinter Euren Schmerzen

Schmerzen werden in der Lebensgeschichte oft nicht wahrgenommen. Vor allem wenn diese der seelischen Natur entspringen. Darum soll es in dieser Episode gehen. Wir suchen nach Ursachen für den Schmerz, der sich zeigt und bekämpfen diesen nicht einfach an der Stelle, an der er sich zeigt.

A) Schmerzen nach einem Psychotrauma

Bei unseren Patientinnen und Patienten kommen in der Behandlung die Erlebnisse zur Sprache. Nach traumatischen Ereignissen kommt es oft zu einem sprachlosen Entsetzen. Die Erlebnisse sind z.T. so belastend, dass es uns die Sprache verschlägt.

Patienten-Beispiel 1: Ein kleiner Junge (F.) wird zu mir in der Behandlung nach Köln gebracht. Er kann mit 4 Jahren noch nicht sprechen. Er gibt nur unverständliche Laute von sich. In seiner Lebensgeschichte fällt auf, dass er noch 2 Zwillingsgeschwister hatte. Im Alter von ½ Jahr starb der eine und im Alter von 1 ½ Jahren der andere Bruder, nachdem sie lange in der Klinik waren. Die Mutter erzählte aus dieser Zeit und wie belastend das für den Rest der Familie war, da sie und der Vater von F. ständig bei den beiden anderen waren.

Der Junge steht sehr unter Spannung und lässt sich anfangs nicht von mir anfassen. Also behandle ich seine Mutter. Er schaut zu und spielt mit Autos. Ab und zu kitzle ich F. und lasse ihn wieder in Ruhe. Langsam, Schritt für Schritt, nähere ich mich an. Dann fange ich in der 3. Behandlung an, ihn etwas an den Muskelansätzen / Akupressurpunkten zu berühren.

Mit der Zeit lässt er immer mehr zu, während er mit den Autos spielt. Im Verlauf von 15 Sitzungen steigere ich langsam die Intensität und darf ihn auch am Hals anfassen, was er anfangs nicht zulassen konnte. Irgendwann lag er auf einer Autozeitschrift. Er war so vertieft, dass es möglich war, lange an den Querfortsätzen des 1. Halswirbel die Punkte zu stimulieren. Die Mutter berichtete, dass er anfing Worte zu formulieren. Irgendwann konnte er mehr sprechen.

Als ich im Jahr 2017 auf dem Weg zu den Delfinen auf den Bahamas war, traute ich meinen Augen nicht. Da lief der kleine F. an mir vorbei. Ich bin ihm zum Sitzplatz seiner Eltern gefolgt. Dort lernte ich seinen Vater kennen. Er sagte mir:“ ich weiß zwar nicht was sie mit ihm machen, aber es scheint zu funktionieren.“

Also, was ist passiert?

  1. Verständnis für das Verhalten des Kindes aus seiner Geschichte
  2. Annähern im Rhythmus des Kindes und Einbeziehen der Mutter
  3. Langsamen Zugang finden zur Sprache über die Muskeln (sensorische + motorische Felder im Gehirn)
  4. Genaues Untersuchen der muskulären und knöchernen Strukturen am Hals mittels tasten und spüren der Spannung
  5. lösen der zu hohen Spannung an der Muskulatur, die zum Sprechen benötigt wird
  6. zum Lachen bringen
  7. So konnte sich das „sprachlose Entsetzten“ in F. lösen
  8. Da er alles verstehen konnte, hatte er Sprache im Gehirn angelegt. Er konnte diese nur nicht herausbringen.

Weiterführende Literatur: Luise Reddemann, Peter Levine (Somatic Experiencing). Dr. Dr. del Monte, Prof. Gottfried Fischer, Dr. med. K. Mosetter u.a.

B) Intensität der Schmerzen, die Ihr spürt

Schmerzen und deren Intensität sind subjektiv. Viele unserer Patientinnen und Patienten spüren Schmerzen. Wenn man sie nach der Intensität auf einer Scala von 1-10 fragt, können sie ihre Empfindungen ziemlich gut einordnen.

Wenn man Euch fragt, wann diese Schmerzen anfingen, können viel Menschen ziemlich genau sagen, wann diese angefangen haben. Ich mache Euch ein körperliches Beispiel:

  1. Ihr habt einen kleinen Stein in Eurem Schuh
  2. Beim Auftreten tut das weh
  3. Ihr werdet diesem Schmerz ausweichen und entweder auf der Fußaußenkannte oder nur mit dem Vorfuß auftreten
  4. Wenn Ihr das ein paar Tage macht, ohne die Ursache (den Stein) aus dem Schuh zu nehmen, bekommt Ihr wahrscheinlich andere Schmerzen in Knie oder Hüfte
  5. Dann würde das Bekämpfen des Schmerzes an Knie oder Hüfte wenig bringen, wenn der Stein im Schuh bleibt
  6. Fazit: nehmt den noch so kleinen Stein aus dem Schuh, damit keine Schmerzen an anderer Stelle entstehen!

Was bedeutet das für Schmerzen, die aus Eurer Lebensgeschichte entstehen?

Viele unserer Kunden hatten als Kinder keine Chance, die kleinen emotionalen Steinchen aus der Seele zu nehmen. Inzwischen können wir in der Behandlung oft erleben, dass Tränen fließen. Zum einen durch:

  1. mehr Wissen auf unserer Seite als Therapeuten, wie komplex Schmerzen entstehen können
  2. mehr Offenheit in der Gesellschaft für emotionale Verletzungen als Ursache für körperlichen Schmerz
  3. auf Seite der betroffenen Schmerzpatienten mehr Bereitschaft andere Behandlungen zu wählen, wie nur chemische Mittel zu schlucken, die ein Arzt verschreibt
  4. bessere interdisziplinäre Vernetzung zum Verständnis der Schmerzentstehung und zum Wohle der Patienten.

C) Was passiert in der Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten?

Bei unseren Schmerz-Patientinnen und Patienten stehen die Stellen im Fokus, die schmerzen. Das ist was Ihr uns berichtet. Genau dort wo es weh tut. Oft höre ich: „Genau da tut es mir weh.“

Metapher: Wenn Ihr einem Automechaniker erklärt, wieso Ihr in die Werkstatt kommt, könnt Ihr genau zeigen, wo die Öllampe leuchtet! Das spielt aber keine Rolle. Der Mechaniker wird die Motorhaube öffnen, den Deckel des Öleinlasses öffnen und Öl nachfüllen. Danach den Deckel schließen, die Motorhaube wieder schließen. Dann geht die Lampe aus. Guter Mechaniker!

Wenn Ihr einen Unfall hattet, z.B. einen Fahrradsturz, dann schaue ich mir genau die Stellen an, die weh tun. Oder bei Verdacht auf schwerwiegendere Verletzungen, schicke ich Euch zu einem Unfallarzt. Der Arzt untersucht genau da wo es Euch weh tut. Guter Arzt.

Wenn Ihr keinen direkten Unfall oder z.B. Überfall hattet, brauche ich meistens die genaue Schmerzstelle nur ab und zu behandeln. Viele unserer Kunden wundern sich, dass wir die Muskelketten und Meridiane (TCM) über den ganzen Körper behandeln.

Dabei haben wir 30-45 Zeit. Je nach Therapeutin oder Therapeut. In dieser Zeit ist auch viel Raum fürs Erzählen,z.B. über

  1. Den Beruf
  2. Die Hobbys
  3. Den Sport
  4. Die Familie
  5. Familiengeschichte
  6. Unfälle
  7. Seelische Verletzungen
  8. Haustiere
  9. Politische Interessen
  10. Themen, die Euch am Herzen liegen
  11. Dinge, die Euch belasten
  12. Ängste, Sorgen und Nöte
  13. U.v.m.

D) Erzählt wird, was bewegt (als Schmerzursache)

In unseren Praxen in Köln und Haslach i.K. sind die Therapeutinnen und Therapeuten so geschult, dass großen Wert auf die Hintergründe der Schmerzen gelegt wird. Also was macht Ihr zurzeit in Beruf, Hobby, Familie etc.

Aber auch, wann fingen die Schmerzen an. Was war zu der Zeit in

  1. Beruf
  2. Hobby
  3. Familie
  4. Sport

los? Gab es zu der Zeit, als die Schmerzen anfingen irgendetwas, was Euch belastet hat? Z.B.

  1. 2-4 Wochen vorher einen Unfall, bei dem scheinbar „nichts passiert“ ist?
  2. den Tod eines nahen Angehörigen?
  3. Eine Entlassung?
  4. Beziehungen beendet?
  5. Oder, oder, oder ….

Verdrängung, ausweichen, kompensieren …..

Verdrängung, ausweichen, kompensieren ist eine menschliche Möglichkeit, wenn wir schlimme und verletzende Erfahrungen machen. Nach den Erzählungen unserer Schmerzpatientinnen und -patienten müssen wir anfangen, Fragen zu stellen. Deshalb nehmen wir uns viel Zeit für Euch. Was dabei sehr häufig geschieht ist , dass die Patienten sehr nachdenklich werden. Unsere Aufgabe ist es nun die Menschen in Ihrer Geschichte zu halten. Meistens kommen wir dann an einen Punkt (kein Druckpunkt!), an dem die Augen wässrig werden und die Tränen anfangen zu laufen. Das ist dann der Punkt, an dem es richtig weh tut.

Jetzt kommt Ihr an den Punkt in Eurem Leben, an dem die eigentliche Verletzung stattgefunden hat.

2) Lebensgeschichte, Schmerzen und Übungen der Muskulatur

a) Lebensgeschichte-Übungen

Bei jedem von uns gibt es eine Geschichte, die uns geprägt hat. Diese Geschichte ist geprägt von Einseitigkeiten.

Deshalb auch hier: Kid – Kraft in Dehnung Übungen – als DehnKraft für Eure Muskelketten oder Meridiane. Um das, was sich als Muster in Euren Körper eingeschliffen hat, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Auch hier geht es an der Kiefermuskulatur los. Die angespannten Muskeln aus Eurer Lebensgeschichte werden aktiviert. Bei Stress beißen die Menschen vorbewusst mit den Kaumuskeln zu.

Die Muskeln speichern Eure Erfahrungen und halten diese fest. Man kann auch sagen, Eure Energie ist dort gespeichert und blockiert (TCM). Die Muskelketten und Meridiane aus Eurer Lebensgeschichte ziehen von der Kaumuskulatur bis in die Hand. Um die Muskeln zu entlasten, beginnt Ihr mit der Übung: „Der beißende Löwe“, wie in der letzten Episode besprochen. 3-4 Atemzüge halten, das war’s. So werden die Muskeln von Euch selbst aktiviert. Das reicht aus, um die Bewegungsprogramme im Gehirn als Ausgleich zu aktivieren.

Wichtig: Wenn Ihr KiD Kraft in Dehnung als DehnKraft Übungen durchführt, können Gefühle aus der Geschichte hochkommen. Allerdings überfallen diese Euch nicht, wenn Ihr langsam anfangt und dann steigert. Dies ist anders, wenn manipuliert wird. Dann können sogenannte Flashbacks auftreten.

Unter www.muskel-gesundheit.de – Videos findet Ihr KiD Kraft in Dehnung als DehnKraft Übungen ,anschauen und mitmachen. Vielen Dank für Rückmeldungen und Google Bewertungen.

Ihr könnt Euch Punkte stimulieren, die zu Eurer Lebensgeschichte passen.

Muskeln, die aus der Geschichte heraus weh tun, könnt Ihr selbst behandeln. Mit einem Wattestäbchen oder einem Zahnstocher (bitte Vorsicht!!). Ihr drückt leicht auf Stellen der Muskeln, die Euch weh tun.

Besonders oft nötig sind folgende Stellen:

  1. Das Brustbein,mittig von oben nach unten.
  2. Das Brustbein leicht aus der Mitte zur Seite. Dort gehen die Rippenknorpel ans Brustbein. Dieser Bereich ist bei erlebter Angst oft sehr empfindlich.
  3. Am Kopf seitlich sind viele schmerzhafte Punkte bei stressigen Erlebnissen.

Massagen sind manchmal gut, allerdings nicht immer. Lohnend sind Massagen auch der Armen und Beine, da diese auch bei allen Erlebnissen dabei sind. Allerdings brauchen die Muskeln + Faszien Zeit, damit sie wirklich loslassen können. Ihr müsst so lange mit dem Wattestäbchen oder Zahnstocher auf dem schmerzenden Punkt bleiben, bis der Schmerz nachlässt.

Vor allem mit spitzen Gegenständen (Zahnstocher) Vorsicht: nicht durch die Haut stechen, sonst drohen Infektionen der Punkte. Wenn es nicht so massiv sein soll, fangt mit einem Tennisball an und später mit einem Golfball steigern. Auch hier: immer auf dem schmerzenden Muskel so lange bleiben, bis der Schmerz weg ist.

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