Muskelverhärtung und Schmerzen kennen viele Patient*innen und Sportler*innen -Folge #056

Muskelverhärtungen (als Muskelstein) machen unterschiedlichste Symptome

Muskelverhärtung haben viele Menschen in sich. Unser Alltag führt dazu, dass ständig neue Muskelverhärtungen (bis zu Muskelstein) entstehen. Die Anfänge der medizinischen Disziplinen Urologie und Gastroenterologie waren geprägt von ihrer aufmerksamen Beobachtung und Beschreibung im Zusammenhang mit dem Krankheitsverlauf. Die Therapie von Nieren- oder Gallensteinen galt lange als unüberwindbare Herausforderung. Heute sind diese Behandlungen gut möglich.

Was wir als Muskelverhärtung und die daraus entstehenden Schmerzen in unseren Praxen seit 30 Jahren behandeln, sind zu stark angespannte Muskeln unter Ruhebedingungen. Was unser Körper auch in den Muskeln machen kann, um diesen ständigen erhöhten Spannungen etwas entgegen zu setzen, ist auch in diesem Gewebe Anpassung das Mittel der Wahl. Das bedeutet, dass unser Muskelsystem Stoffe einlagert, die den veränderten Spannungszuständen standhalten kann. Dies geht soweit, dass Muskeln förmlich verknöchern können. Bei Soldaten/Soldatinnen fand man im Brustmuskel eine Knochenleiste an der Stelle, an der das Gewehr ständig an die Brust geschlagen wird. Dabei entsteht eine sogenannte „Ossifikation“ des Brustmuskels, eine Verknöcherung durch Einlagerungen.

Alle Graphiken in dieser Transkription über Muskelverhärtungen mit freundlicher Genehmigung von Dr. Dr. Damir del Monte und encephalon medicine media produktion GmbH.

Ossifikation oder Osteogenese bezeichnet die Bildung von Knochengewebe. Als Gegenteil bezeichnet man den Abbau von Knochengewebe (Osteolyse). Das heißt, es gibt im Körper ein Leben lang Umbauprozesse, was besser zu einem lebenden Organismus passt, wie Verschleiß. Dies passt eher zu Maschinen. 

  1. Die Physiologie dazu

Ossifikation ist ein normaler physiologischer Prozess, der von unserem Organismus zum Wachstum oder zur Erholung (z.B. nach Bruch eines Knochens) abläuft.

Neues Knochenmaterial kann sich

  1. direkt aus Bindegewebe oder
  2. indirekt über Knorpel (Zwischenstufe) bilden. 

Man unterscheidet 2 Formen der Verknöcherung / Ossifikation:

  1. desmale Ossifikation
  2. chondrale Ossifikation 

Bei der 

  1. desmalen
  2. und chondralen Ossifikation 

entsteht zunächst unreifer Geflechtknochen. Die Kollagenfibrillen der Knochengrundsubstanz sind allerdings noch ungeordnet. 

Dieser Faserknochen (Geflechtknochen) hat nur eine geringe mechanische Festigkeit. Durch mechanische Beanspruchung (Druck- und Zugkräfte) des Faserknochens kommt es zum Umbau in den strukturierten / stabileren Lamellenknochen.  

  1. Die Pathophysiologie

Knochenneubildung kann unter bestimmten Bedingungen auch pathologisch im Bindegewebe außerhalb des Skeletts auftreten. Man spricht dann von heterotoper Ossifikation.  

  1. Die resultierende Klinik

Krankheitsbilder durch fehlerhafte Ossifikation sind normalerweise ein Fall für Orthopäden /Orthopädinnen. Hierzu zählt zum Beispiel unter der Kniescheibe der Morbus-Osgood-Schlatter.  

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Ossifikation#:~:text=Neuer%20Knochen%20kann%20sich%20direkt,Chondrale%20Ossifikation

Wenn sich Knochengewebe im Körper neu bilden kann, hat das unterschiedliche Konsequenzen:

  1. Neubildung bei Bruch eines Knochens zur Heilung
  2. Anpassung der Knochen in Form von Knochenstein als Arthrose bezeichnet. Durch dauerhaft erhöhten Druck im Gelenk muss der Körper sich anpassen und baut Knochenmaterial an. Bis heute gilt die Operation (Gelenkersatz) als die Lösung schlechthin. 
  3. Wenn unser Körper dieses Material aufbauen kann, kann er es auch abbauen. Regeneration! Dies zeigt sich unter langer Bettlägerigkeit oder im Weltraum, wo es keinen Druck und Zug auf die Knochen gibt. 

Was mich bis heute erstaunt, ist, dass es in Deutschland sehr viele Fachrichtungen von Ärzten und Ärztinnen gibt

  1. Augenarzt/Augenärztin
  2. Frauenarzt/Frauenärztin, Gynäkologe/ Gynäkologin
  3. Kinderarzt/Kinderärztin 
  4. HNO-Arzt, HNO-Ärztin, 
  5. Herzspezialist/Herzspezialistin, Kardiologe/Kardiologin
  6. Arzt/Ärztin für Knochen und Gelenke, Orthopäde/Orthopädin
  7. Arzt/Ärztin für Innere Medizin, Gastroenterologe/Gastroenterologin
  8. Arzt/Ärztin für Blutgefäße, Phlebologe/Phlebologin
  9. Darmspezialist/Darmspezialistin, Proktologe/Proktologin
  10. Schönheitschirurg/Schönheitschirurgin
  11. Verletzte: Operateur*in = Chirurg*in
  12. Und zu guter Letzt für tote Menschen = Pathologe/Pathologin
  13. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf vollständige Aufzählung aller Fachärzten und -innen. 

Was es aber nicht gibt: Muskelfacharzt oder Muskelfachärztin, was erstaunlich ist, da unser Muskelsystem das größte Sinnesorgan im Körper darstellt und ohne Muskulatur (auch innere Organe) gar nichts geht. Einige meiner ärztlichen Ausbilder waren allerdings wie Muskel-Ärzte. 

  1. Arzt Walter Packi (Freiburg / Bad Krozingen)
  2. Dr. med. Kurt Mosetter (Konstanz)

Von Ihnen lernte ich viele Jahre Zusammenhänge aus verhärteten Muskeln mit einer zu hohen Ruhespannung (vers. zu locker, zu schwach, zu instabil) und den daraus entstehenden Schmerzen und Symptomen. Theorie und praktisches Lösen der Muskelspannungen in den Muskeln des Körpers von Schmerzpatient*innen waren viele Jahre meine Leidenschaft. Vor allem, als ich miterleben konnte, wieviel unterschiedliche Krankheitsbilder und Schmerzsyndrome auf das Lösen der Spannung reagieren. So verflogen Wochen, Monate und Jahre. Alle Anstrengungen waren es wert, wenn ich die Ergebnisse und Veränderungen über die Muskeln erleben konnte. 

Bei diesen Schmerzen durch Muskelverhärtung finden alle anderen ärztlichen Fachrichtungen keine Ursachen, da man diese Muskelverhärtung noch nicht mit Geräten oder im Blutbild nachweisen kann. Die Veränderungen an den Muskelansätzen und Knochenübergängen nenne ich Muskelstein.

Muskelstein oder Triggerpunkte im Detail untersucht

Man hat Triggerpunkte in Ihrer Zusammensetzung untersucht. 

Das kleine Areal von Triggerpunkten (dauerhaft verkrampften Muskelzellen) sorgt für eine lokale Entzündungsreaktion mit weitreichenden Folgen. Der Nachweis dieser Entzündungsreaktion gelang dem amerikanischen Forscher Jay Shah, der seine Forschungsergebnisse im Juli 2005 im „Japanese Journal of applied Physiology“ veröffentlichte.

Er konnte in Triggerpunkten erhöhte Konzentrationen von verschiedenen Neuropeptiden nachweisen. Dies ist bis heute die Erklärung vieler Fachleute für schmerzende Punkte in der Muskulatur. Meine Lehrmeister hatten immer auch andere Erklärungen unterrichtet. Einige Ideen zu schmerzenden Punkten in den Muskeln könnt Ihr Euch hier anhören und nachlesen: https://muskel-gesundheit.de/myoreflextherapie-unterschied/ 

Triggerpunkten enthalten erhöhte Konzentrationen von verschiedenen Neuropeptiden

Diese Neuropeptide sind: 

  1. Substanz P (SP)
  2. Tumor Nekrose Faktor α(TNF-α)
  3. Interleukin-1β(IL-1 β)
  4. Interleukin-6 (IL-6)
  5. Interleukin-8 (IL-8)
  6. Calcitonin Gene Related Peptide (CGRP)
  7. Bradykinin (BK)
  8. Serotonin (SE)
  9. Norepinephrine (NE). 

Der pH-Wert des Gewebes war deutlich erniedrigt, d.h. es lag eine Übersäuerung vor. 

Der Sauerstoffanteil in dem Teil des Gewebes ist erniedrigt. 

Nach der Behandlung der Triggerpunkte reduzierte sich die Konzentration dieser Entzündungssubstanzen drastisch und der pH-Wert normalisierte sich wieder, d.h. die Übersäuerung ließ nach.

Weitere Erkenntnisse von: 

  1. Mense (1999) definiert Triggerpunkte (TrPs) als runde Verhärtungen in einem Muskel, welche schon bei leichter Kompression (Druck) schmerzhaft sind. 
  2. Gautschi (2007); das wichtigste Kriterium, dass der verhärtete Punkt bei lokalem Druck die Symptome des Patienten auslöst. „Ein Triggerpunkt (TrP) ist ein Punkt, von dem aus die dem Patienten bekannten Symptome, meistens in Form von fortgeleiteten Schmerzen (Referred Pain), ausgelöst werden (engl. „trigger“ – auslösen).“ 
  3. Gautschi (2010): Bei Überlastung zieht sich die Muskulatur zusammen und verhärtet sich. Hierbei können Triggerpunkte, kleine „Knötchen“ im Muskelstrang oder im Übergang zwischen Muskel und Sehne entstehen. Das bedeutet, dass solche Punkte überall dort auftauchen können, wo sich Muskulatur (ca.650 im menschlichen Körper mit tausenden Fasern) befindet. 
  • Durch die Triggerpunkte entsteht eine Durchblutungsstörung an dieser Stelle und der Muskel verkürzt sich, was zu Schmerzen führt. 
  • Der Körper nimmt eine Schonhaltung ein, es kommt zu Überbelastung an anderer Stelle, der Teufelskreis beginnt. 
  • Triggerpunkte sind meist sehr klein, können aber unter Umständen auch so groß wie ein Fingernagel werden. 
  • Die Knötchen sind äußerst druckempfindlich und können in andere Gebiete des Körpers ausstrahlen (Schmerzübertragungsmuster oder referred pain).

In anderen Untersuchungen kam heraus, dass Triggerpunkte aus eingelagerten Zuckerstrukturen (Mukopolysaccharide + Kreatinin) bestehen. Dazu später noch mehr.

Muskelverhärtung, Muskelverspannung und Muskelverkürzung

Muskelverhärtung, Muskelverspannung und Muskelverkürzung gehen Hand in Hand. 

Muskelverkürzung gibt es in allen Skelettmuskeln unseres Bewegungsapparates. Sie entstehen durch ständiges, gleiches Benutzen unserer Muskeln. Im Alltag oder beim Training. Unser Muskeltraining ist meistens so ausgerichtet, dass auf Kraft oder Ausdauer trainiert wird, mit immer gleichen, wiederkehrenden Bewegungsabläufen. Wenn keine Übungen auf lange Muskeln eingebaut werden, entstehen immer die gleichen Prozesse, egal wie funktionell wir die Übungen gestalten. 

Muskelverspannungen sind nur der Anfang. Das nehmen wir dann als Muskelverhärtung wahr. Die stärkste Veränderung ist dann die Bildung von Muskelstein (Triggern). 

Muskelverspannungen kennen viele Menschen als: 

  1. Muskelverhärtung am Nacken bis zu Muskelstein-Bildung am Schulterblattheber mit Schmerzen bis in den Kopf
  2. Muskelverhärtung der Schultern bis zu Muskelstein-Bildung mit Schmerzen auf dem Schulterblatt
  3. Muskelverhärtung am Rücken bis zu Muskelstein-Bildung mit Schmerzen an den Rippen 
  4. Muskelverhärtung der BWS bis zu Muskelstein-Bildung an den Rippen hinten oder vorne mit Schmerzen
  5. Muskelverhärtung der LWS bis zu Muskelstein-Bildung am Steißbein mit Schmerzen wie bei einem Bandscheibenvorfall
  6. Muskelverhärtung am Gesäß bis zu Muskelstein-Bildung am seitlichen Becken mit Schmerzen wie Hüftschmerzen
  7. Muskelverhärtung an den Adduktoren bis zu Muskelstein-Bildung mit Schmerzen am Schambein oder Knie
  8. Muskelverhärtung im vorderen Oberschenkel bis zu Muskelstein-Bildung unter der Kniescheibe mit Schmerz (wie M. Osgood-Schlatter)
  9. Muskelverhärtung am hinteren Oberschenkel bis zu Muskelstein-Bildung am Sitzbein mit Schmerz
  10. Muskelverhärtung am vorderen Unterschenkelmuskel bis zu Muskelstein-Bildung an der Schienbeinkannte (Schmerz wie Knochenhautentzündung)
  11. Muskelverhärtung in der Wade bis zu Muskelstein-Bildung an den Achillessehnen Ansätzen an der Ferse mit Schmerzen
  12. Muskelverhärtung an der seitlichen Wade bis zu Muskelstein-Bildung seitlich am Fuß mit Schmerzen
  13. Muskelverhärtung unterm Fuß bis zu Muskelstein-Bildung an der unteren Ferse (wie Fersensporn)
  14. Muskelverhärtung im Unterarm innen bis zu Muskelstein-Bildung am Ellenbogen innen (Golfer Arm)
  15. Muskelverhärtung im Unterarm außen bis zu Muskelstein-Bildung am Ellenbogen außen (Tennisarm)
  16. Muskelverhärtung im Unterarm außen bis zu Muskelstein-Bildung am Handrücken
  17. Muskelverhärtung im Unterarm außen bis zu Muskelstein-Bildung an der Handinnenseite

(Carpaltunnel-Syndrom, taube Finger, Kraftverlust der Hand, Schmerzen der Fingergelenke)

Für diese Wahrnehmung der Schmerzen durch Muskelverhärtungen brauchen wir aus dem Gewebe ständige Rückmeldungen ans Gehirn. 

Muskelverhärtungen (als Muskelstein) lassen Schmerz-Symptome auftreten

Bei denen Fachärzte / Fachärztinnen keine organische Ursache für die Schmerzen oder Missempfindungen finden, z.B.:

  1. Muskelverhärtung führt oft zu Kopfschmerzen aus dem Nacken zum Auge
  2. Muskelverhärtung führt oft zu Kopfschmerz seitlich wie Migräne gefühlt
  3. Muskelverhärtung führt oft zu Tinnitus funktionell 
  4. Muskelverhärtung führt oft zu Schwindel, der funktionell eingestuft wird
  5. Muskelverhärtung führt oft zu Sehstörungen funktionell
  6. Muskelverhärtung führt oft zu Nackenschmerz lokal oder ausstrahlend zum Kopf oder Arm
  7. Muskelverhärtung führt oft zu Verspannung der Schultern
  8. Muskelverhärtung führt oft zu Impingement Syndrom der Schulter
  9. Muskelverhärtung führt oft zu Schmerzen an den Rippen wie Intercostal neuritis
  10. Muskelverhärtung führt oft zu funktionellen Herzschmerzen, Schmerz um die Herzgegend
  11. Muskelverhärtung führt oft zu funktioneller Atemnot, ohne dass die Lunge geschädigt ist
  12. Muskelverhärtung führt oft zu Hüftschmerz innen wie eine Adduktorenzerrung
  13. Muskelverhärtung führt oft zu Hüftschmerz außen wie Hüftarthrose
  14. Muskelverhärtung führt oft zu Hüftschmerz vorne wie Leistenschmerz
  15. Muskelverhärtung führt oft zu Hüftschmerz hinten wie ein Gesäßschmerz
  16. Muskelverhärtung führt oft zu Knieschmerz innen wie Meniscus Schmerz
  17. Muskelverhärtung führt oft zu Knieschmerz vorne als Patellaspitzensyndrom
  18. Muskelverhärtung führt oft zu Knieschmerz hinten wie eine Bakerzyste
  19. Muskelverhärtung führt oft zu Knieschmerz außen wie eine Außenbandreizung
  20. Muskelverhärtung führt noch zu vielen weiteren Schmerzsyndromen, bei denen Ärzte/Ärztinnen oft nichts finden können, was diese Schmerzen erklären könnte, also oft ohne Befund über die bildgebenden Verfahren.

Sehnenansatz als Ort der Einlagerung von Muskelstein

Der Sehnenansatz der Muskeln in unserem Körper ist der Ort für die Einlagerungen und Ablagerungen der auf Dauer zu hohen Muskelanspannung unter Ruhebedingungen. 

Muskelverhärtung, Muskelverspannung und die Muskelverkürzungen führen mit dazu, dass sich an den Stellen der erhöhten mechanischen Druck- und Zugkräfte Ablagerungen ansammeln.

Genannt werden Einlagerungen am Sehnenansatz z.B. Myogelose, Gelose, Trigger, Triggerpunkt, Maximalpunkt, Tenderpoint, Akupunkturpunkt, Akupressurpunkt …

Fühlen kann man diese Ablagerungen wie kleine Kirschkerne. Hart und oft auch rund. Manchmal fühlen sich die verhärteten Sehnenanteile an wie kleine Stecknadelköpfchen. 

Muskelverspannung und Muskelverkürzung lösen

Muskelverhärtung, Muskelverspannung und Muskelverkürzung versuchen viele betroffene Menschen oder Therapeuten und Therapeutinnen zu lösen. Lösen lassen sich Muskelverspannung und Muskelverkürzung z.B. durch:

  1. Massagen durch Therapeuten/Therapeutinnen oder Geräte
  2. Faszien Rolle
  3. Faszien Bälle
  4. Heißes Bad
  5. Sauna
  6. Entspannungstechniken
  7. Zug an den Muskeln durch Therapeuten/Therapeutinnen oder Geräte

Was diese Möglichkeiten bieten, ist eine Entspannung der Muskeln und dadurch eine bessere Durchblutung. Durch Muskelentspannung werden auch die Nerven und Gelenke kurzfristig entlastet. 

Wenn wir die Muskelverspannung lösen möchten, dann können wir so lang auf den Punkten der Muskelsteine bleiben, bis sich diese auflösen. Heute dauert dies in der Behandlung oft nur Sekunden, früher dauerte das Lösen der Muskelspannung 20-30 Sekunden oder eine Minute und länger. 

Wenn sich die Muskelverhärtung und zu hohe Muskelspannung nicht löst, kann es daran liegen, dass der Druck viel zu stark durch Therapeuten/Therapeutinnen oder Geräte ausgeübt wird. Wenn der Druck zu Stress im Gewebe und Gehirn führt, kann es sein, dass die Druckpunkte sich nicht lösen. 

Welche Steinbildungen in der Medizin sind im Körper bekannt?

Steinbildung im Körper = Konkremente sind definiert als feste Massen, die durch Ausfällung vorher gelöster Stoffe in Körperhohlräumen oder im Gewebe gebildet werden. Sie können praktisch überall im Körper entstehen (überall im Körper ist Muskulatur!). Doch im medizinischen Alltag begegnen sie uns meistens als 

  1. Magen- oder Darmsteine (Gastrolithen, Enterolithen)
  2. Gallensteine (Cholelithen)
  3. Harnsteine (Urolithen) 
  4. Bronchialsteine (Broncholithen)
  5. Ohrsteine (Statolithen oder Otokonien)
  6. Speichelsteine (Sialolithen)
  7. Venensteine (Phlebolithen)
  8. Zahnstein (Calculus dentis)
  9. Meine eigene Erkenntnis: Muskelstein (Myolithen), Zuckereinlagerung in Triggerpunkten
  10. Außerdem gibt es noch: Monolithen. Dies ist eine eher allgemeine Bezeichnung für einen natürlich entstandenen oder bearbeiteten Gesteinsblock, der komplett aus derselben Gesteinsart in der Natur besteht.

Vielen Körpersteinen ist gemeinsam, dass sie zunächst keine Beschwerden hervorrufen und erst ab einer bestimmten Ausdehnung zu unterschiedlichen Schmerzzuständen, Infektionen und schließlich lebensbedrohlichen Komplikationen mit Organversagen führen können. Auch Muskelstein kann unterschiedlichste Schmerzen verursachen. Mehr weiter unten. 

Die Größe variiert von mm bis cm. Immer wieder berichtet die Presse über Rekorde:

  1. Einem 48-jährigen Ungar wurde vor einigen Jahren ein Blasenstein von der Größe einer Honigmelone entfernt 
  2. in China gelang es Ärzten in einer Not-OP einem 55-jähriger Vegetarier 420 Nierensteine zu entfernen. Ursache: einseitige Ernährung mit Tofu und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme.

Manche Ärzte kennen eine extrem seltene Verknöcherungskrankheit: FOP. Muskeln verwandeln sich regelrecht in Knochen, die Patienten/Patientinnen versteinern. Mediziner sind diesem Rätsel auf der Spur. 

In einer kürzlich veröffentlichten amerikanischen Studie wurden:

  • Daten von mehr als 4,6 Millionen Patienten
  • über einen Zeitraum von 16 Jahren gesammelt + ausgewertet
  • ca. 153.000 Patienten aufgrund von Nierensteinleiden in medizinischer Behandlung
  • Die Wissenschaftler kamen zur Erkenntnis: vor allem zwischen 15 + 19 Jahren kam es zu einem Anstieg der Inzidenz um 26 % in 5 Jahren.
  • Insgesamt hatte sich das Risiko unter amerikanischen Kindern verdoppelt
  • bei Frauen bis zu 45 % gestiegen
  • Die Autoren machten unzureichendes Trinken + ungesunde Lebensweise für diese Tatsachen verantwortlich.

Um Schmerzen durch Steinbildung und deren Beseitigung wahrzunehmen, kommen die Rückmeldungen aus dem Gewebe im Gehirn an. Dann werden diese weitergeleitet in verschiedene Areale, die mit bewusster Schmerz – Wahrnehmung etwas zu tun haben.

Muskelstein kann unterschiedlichste Schmerzen verursachen (Triggerpunkte)

  1. Schmerzen auslösen an anderen Orten, wie an den Stellen, die Schmerzen
  2. Schmerzen auf Druck eines Muskelstein (Myolith) 
  3. Brennendes Schmerzgefühl, das verschwindet, wenn sich der Muskelstein auflöst
  4. Taubes Schmerzgefühl, das verschwindet, wenn sich der Muskelstein auflöst
  5. Kitzliges Schmerzgefühl, das verschwindet, wenn sich der Muskelstein auflöst
  6. Schmerzen, bei denen Ärzte nichts als Ursache finden können (sehr häufig)
  7. Kopfschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  8. Kieferschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  9. Nackenschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  10. HWS-Schmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  11. BWS-Schmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  12. LWS-Schmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  13. Schulterschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  14. Hüftschmerzen vorne – hinten – seitlich, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden
  15. Knieschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  16. Unterschenkelschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  17. Fußschmerzen, ohne dass Fachärzte eine Ursache finden bei Muskelstein-Bildung
  18. Gelenkschmerzen: die behandelt werden, ohne dass eine deutliche Schmerzfreiheit eintritt
  19. Außerdem gibt es noch Myloniten (von gr. Mühle). Es ist ein metamorphes Gestein, das durch den Prozess der Dislokationsmetamorphose entstanden ist. Der Begriff wurde 1885 von Hr. Lapworth eingeführt und 1910 auch in die deutsche Fachliteratur übernommen. Der Begriff Mylonit beschreibt einen Gesteinstyp mit einem bestimmten Gefüge. Er gibt keine Information über den Mineralbestand her.

Muskelkater als Umbau-Schmerz

Muskelkaterschmerzen in der Muskulatur entstehen nicht lokal im Muskel. Auch Muskelkaterschmerz entsteht im Gehirn. Dort gibt es eine Struktur, die Thalamus heißt. Wenn uns irgendetwas als Schmerz bewusst wird, dann muss diese Meldung durch diesen Thalamus im Gehirn. Dazu mehr in einer der nächsten Episoden. Hier nur so viel: dabei entstehen keine Myolithen (Muskelsteine), sondern es handelt sich nach heutigem Wissen um einen produktiven Umbauprozess über Tage, um den Muskel auf neue Belastungen vorzubereiten. Diese sind durch Druck- oder Stimulation mittels Nadeln oder Spritzen reversibel, also rückgängig zu machen. 

Durch Druck auf die Muskelstein Stellen werden Schmerzen ausgelöst, da die Spannung so weit ansteigt, bis sie bewusst wahrgenommen werden kann (Summation der Einzelreize am Nerv zum ZNS).

Was hilft vorbeugend gegen Steinbildung im Körper?

  1. Zahnsteinbildung: Zähneputzen und zuckerarme Ernährung helfen gegen Zahnstein 
  2. Muskelstein: DehnKraft Übungen und Training auf geschmeidige Muskeln ( https://muskel-gesundheit.de/videos/uebungen-grundlagen/ ). Um Schmerzen zu vermeiden immer wieder Lösen der zu hohen Muskelspannung (z.B. durch Physiotherapeuten/Physiotherapeutinnen)
  3. Gallenstein: Ernährung und Bewegung für ein normales Gewicht
  4. Nierenstein: > 2,5 Wasser Liter trinken (sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen), ausgewogene Ernährung sowie der Vermeidung extremer Flüssigkeitsverlusten. 

Bei Calciumoxalatsteinen : oxalatreiche Lebensmittel (Rhabarber, Spinat, Mangold, rote Bete) meiden. 

Ausreichende Zufuhr von Calcium in der Nahrung (1000 – 1200 mg / Tag) kann der Bildung von Oxalatsteinen entgegenwirken. Calcium bindet das Oxalat bereits im Darm. Der Verzehr magnesiumreicher Nahrungsmittel kann günstig sein. 

Infektsteine können durch Ansäuerung des Harns mittels einer erhöhten Zufuhr von Methionin (1,5 – 3 g pro Tag) aufgelöst werden.

Bei Uratsteinen sollten purinreiche Lebensmittel gemieden werden (Innereien, Krustentiere, Fische wie Heringe oder Sardellen, Bier und Hülsenfrüchte). 

Eine Alkalisierung des Harns mit Alkalicitraten kann bei erhöhter Calciumausscheidung durch die Nieren erfolgen.

Bei Cystinsteinen solltet Ihr auf konstante Flüssigkeitszufuhr auch in der Nacht achten mit einem Urinvolumen von ca. 3 l / Tag. Cystin ist beim pH-Wert von 7,5 – 8,0 gut wasserlöslich. Eine Harnalkalisierung mit Natriumhydrogencarbonat, durch den Mund aufgenommen, kann empfehlenswert sein. 

Steinbildung ist in verschiedenen Organen im Körper möglich

  1. Zahnstein (Calculus dentis) bildet sich hauptsächlich aus anorganischen Bestandteilen des Speichels. Häufig ist er in Nähe von Speicheldrüsen im gesamten Unterkiefer zu finden. Die Konzentration an gelösten 

1) Calciumsalzen

2) Phosphatsalzen ist an diesen Stellen am höchsten.

 Sie dient normalerweise der Remineralisation von beschädigtem Zahnschmelz. 

Schlechte Zahnpflege führt zu bakterieller Besiedlung der 

  1. Kauflächen
  2. Zahnfleischrändern
  3. Zwischenräumen. 

Ebenso zur Entstehung eines Biofilms aus 

  1. Schleimstoffen
  2. Kohlenhydraten
  3. Proteinen.

Sichtbarer Zahnbelag wird dann Plaque genannt. Auf seiner rauen Oberfläche kristallisieren Salze des Speichels aus und bilden Zahnstein. 

Eine mehrmals tägliche Mundhygiene und Zahnhygiene kann zwar Plaque verhindern, jedoch nicht Zahnstein. Die vorbeugende Entfernung des Zahnsteins wird deshalb 1x / Jahr von Krankenkassen bezahlt. 

Dies dient der Vorbeugung von 

  1. Karies
  2. Parodontitis. 

Für Patienten mit 

  1. Herzfehlern
  2. künstlichen Herzklappen
  3. nach einer Herztransplantation 

ist es sogar dringend notwendig, ihre Zähne sanieren und regelmäßig von Plaque und Zahnstein reinigen zu lassen. 

So kann verhindert werden, dass beim

  1. Kauen
  2. Zähneputzen 

bakterielle Erreger ins Blut eingeschwemmt werden und eine Herzentzündung = Endokarditis verursachen.

  1. Steinbildung in der Gallenblase (Cholelithen) = Gallenstein

Gallensteine sind kristalline Ablagerungen unterschiedlicher Form, Größe und Zusammensetzung. Sie kommen in der Gallenblase (Cholezystolithiasis) und den oder in den sich anschließenden Gallengängen (Choledocholithiasis) vor.

80 % der Fälle sind Cholesterol-Steine und gemischte Gallen-Steine. Diese haben eine glatte Oberfläche und können bei einem Überschuss an Cholesterol und/oder einem Mangel an Gallensäuren und Lecithin in der Gallenflüssigkeit entstehen. Gemischte Steine hingegen enthalten zusätzlich bis zu 20 % Gallen-Pigmente (Z.B. Bilirubin). Sie haben eine unregelmäßige und höckerige Oberfläche. Seltener sind in unserem westlichen Kulturkreis reine Pigmentsteine. Ihre Bildung wird begünstigt durch bakterielle Infektionen der Gallenwege. Es können auch chronisch- rezidivierende Hämolysen (bei Sichelzellenanämie) zu einer Einlagerung von Protoporphyrin führen.

Früher wurde angenommen, dass etwa 15 % der Frauen und 7,5 % der Männer im Laufe ihres Lebens Gallensteine entwickeln. Da die Inzidenz in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist, geht man mittlerweile sogar davon aus, dass 20 % der Frauen und 10 % der Männer Gallensteine haben. Unterschiedliche Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen sind:

  1. Gallensteine durch familiäre Disposition, hellhäutiges und blondes Erscheinungsbild
  2. Gallensteine durch gestörten enterohepatischen Kreislauf
  3. Gallensteine durch Verlust von Gallensäuren bei Erkrankungen des Ileums (Darm)
  4. Gallensteine durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  5. Gallensteine durch Übergewicht
  6. Gallensteine durch verminderte Kontraktionen der Gallenblase bei parenteraler Ernährung und Fastenkuren
  7. Gallensteine durch Schwangerschaften
  8. Gallensteine durch cholesterolreiche und ballaststoffarme Ernährung,
  9. Gallensteine durch Hormonersatztherapie und orale Kontrazeptiva.

Auf Englisch werden die häufigsten Risikofaktoren für Gallensteine in der 6-F-Regel zusammengefasst: 

  1. female (weibliches Geschlecht)
  2. fat (fettleibig)
  3. fertile (schwanger)
  4. forty (Alter über 40) 
  5. fair (blonde Haare)
  6. family (familiär).

Die Mehrzahl der Gallensteine verursacht keine oder nur unspezifische gastrointestinale (Magen-Darm) Symptome und Schmerzen. Neben den charakteristischen, kolikartigen Schmerzen, die stundenlang anhalten und in ihrer Intensität zunehmen können, können weitere Symptome auftreten, z.B. ein postprandiales Druckgefühl, Erbrechen, Meteorismus (Blähungen), Schwindel, Völlegefühl, Ikterus, bräunliche Verfärbung des Urins, heller Stuhl und erhöhte Leberfunktionswerte. Mögliche Komplikationen sind Entzündungen der Gallenwege, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Entzündung des Bauchfells.

Die Sonografie ist das diagnostische Verfahren der Wahl, um Folgendes zu erkennen und zu beurteilen: 

  1. Gallensteine mit einer Größe > 5 mm in der Gallenblase und / oder Gallensteine in den Gallengängen
  2. eine verdickte, d. h. entzündete Gallenblasenwand (Cholangitis) und die Weite der Gallengänge. 
  3. In komplizierten Fällen wird der Ultraschallkopf über den Mund weiter über die Speiseröhre und dann durch den Magen in den 12-Fingerdarm eingeführt.
  4. Endosonografisch lassen sich so auch benachbarte Organe untersuchen.

Bei akuten Beschwerden erfolgt in erster Linie eine ausreichende Analgesie (Schmerzreduktion bis zur Schmerzfreiheit) mittels moderner Schmerzmittel. Zur Spasmolyse (Lösen der verkrampften Muskeln) werden Medikamente eingesetzt. Koliken erfordern ferner eine Nahrungskarenz (Verzicht auf Essen) von > 24 Stunden. Bei einer gleichzeitigen bakteriellen Cholezystitis (Entzündung) und/oder einer Cholangitis (Entzündung) wird eine geeignete Antibiose durch die Ärzte/Ärztinnen verordnet.

Die Therapie einer Cholelithiasis erfolgt bei klar definierten Beschwerden in der Gallenblase und den Gallengängen nach dem Abklingen der akuten Symptomatik durch einen Eingriff. Methoden sind: 

  1. endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP). Röntgenuntersuchung, bei der kleinere Steine gleichzeitig entfernt werden können. 
  2. bei einer Cholezystolithiasis ist die laparoskopische Cholezystektomie. 
  3. Liegen Kontraindikationen gegen invasive Eingriffe vor, kann in seltenen Fällen eine medikamentöse Litholyse versucht werden. Die Responderrate nach 12 bis 18 Monaten wird mit 70 Prozent angegeben.

Eine Prophylaxe ist möglich. Empfohlen werden allgemeine gesundheitsfördernde Maßnahmen wie:

  1. die Normalisierung des Körpergewichts
  2. körperliche Bewegung
  3. Vermeidung von Hungerperioden (Fasten)
  4. ausgewogene Ernährung: ballaststoffreich sowie fett- und zuckerarm.
  1. Steinbildung im Darm (Enterolithen)

Konkremente im Darm werden als Enterolithen bezeichnet. Je nach Lokalisation und Zusammensetzung lassen sie sich weiter unterteilen. Zu finden sind sie in:

  1. blind endenden Abschnitten des Darms, wie in Divertikeln des Dick- und Enddarms oder im Blinddarm. 
  2. Meistens handelt es sich um eingedickten und verhärteten Darminhalt, der in Abhängigkeit der vorliegenden Begleiterkrankung mit Schleim und geronnenem Blut vermischt sein kann. 
  3. Da sich im Kern häufig Kotbestandteile befinden, werden sie umgangssprachlich Kotsteine genannt. 
  4. Auch unverdauliche Fremdkörper, wie Kerne, Knochenstücke oder Kunststoffe, können die Bildung von Enterolithen auslösen, indem sich schwer lösliche Calciumsalze und Gallensäuren anlagern, sodass sie sich allmählich vergrößern.

Das Wachstum dieser Art von Konkrementen verläuft zunächst symptomlos. Unspezifische Beschwerden

  1. Obstipation
  2. Flatulenz
  3. punktuelle
  4. diffuse Schmerzen
  5. Krämpfe im Bauch 

müssen differenzialdiagnostisch abgeklärt werden, z. B. mittels 

  1. Palpation
  2. Endoskopie
  3. auf Ultraschallbildern sind Enterolithen nur schwer zu erkennen

Zu teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen kann es kommen, wenn sie zu 

  1. Entzündungen
  2. akuten Darmverschluss
  3. Darmperforation (Durchbruch) führen. 

Nichtinvasiv kann man eine Behandlung mit mehrmaligen Einläufen im Darm versuchen. 

In akuten Notfällen ist eine Operation nötig.

  1. Magenstein (Gastrolith) = Steinbildung im Magen

Ein Bezoar ist ein Magenstein (Gastrolith), der aus unverdaulichem, verklumptem und anschließend verfestigtem Material besteht; beim Menschen handelt es sich meist um Pflanzenfasern, -schalen oder -samen (Phytobezoar). Begünstigt wird seine Entstehung durch: 

  1. chirurgische Eingriffe am Magen 
  2. Bettlägerigkeit
  3. Dehydratation
  4. Motilitätsstörungen oder fehlerhafte Sondenernährung. 

Bezoare können

  1. Übelkeit
  2. Brechreiz verursachen. 
  3. Sie können auch in den Darm übertreten und dort verhärten und zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Sogenannte Medikamentenbezoare können die Folge einer fehlerhaften oder missbräuchlichen Kombination verschiedener Arzneimittel sein. 

Als Ursache kommen motilitätshemmende Wirkstoffe:

  1. Opioide
  2. Aluminiumhydroxid- oder Magnesiumhydroxid-basierte Antazid
  3. Anionenaustauscherharze
  4. wasserbindende Laxanzien wie Flohsamenschalen infrage. 
  5. Durch die Erhöhung des gastralen pH-Werts quellen und lösen sich Arzneiformen auf, die normalerweise den Magen unverändert passieren. Die Folgen sind eine eingeschränkte oder fehlende Medikamentenwirkung, die Bildung eines Konglomerats aus verschiedenen Arzneistoffen und schließlich die Gefahr ihrer plötzlichen Freisetzung.

Nach der Diagnose eines Medikamentenbezoars wird das auslösende Arzneimittel abgesetzt. Therapie: 

  1. endoskopische Zerkleinerung
  2. Magenspülung. 

Falls dadurch die Resorption:

  1. großer Arzneistoffmengen
  2. akute Überdosierung drohen
  • wird alternativ versucht, mit der Gabe eines Prokinetikums wie Metoclopramid und viel Flüssigkeit den intakten Bezoar auf natürlichem Wege abgehen zu lassen. 
  • Notfalls kommt eine chirurgische Entfernung in Betracht.

Es gibt unkomplizierte Phytobezoare. Diese lassen sich mit:

  1. Ernährungsumstellung
  2. Konsum von säurehaltigen Lebensmitteln auflösen. 
  3. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit konnte die therapeutischen Effekte von Cola-Getränken in diesem Zusammenhang nachweisen. Allerdings Vorsicht: hoher Zuckergehalt führt zu anderen Auswirkungen. 
  1. Harnstein (Urolith) = Steinbildung im urogenitalen Bereich

Harnsteine (Urolithen) sind in:

  1. Nieren
  2. Harnleitern
  3. Blase
  4. Harnröhre zu finden. 
  5. Kleine Steine = Nierengrieß genannt. 

Harnsteine können infolge:

  1. Harnwegs-Infekten
  2. angeborenen
  3. erworbenen Stoffwechselstörungen entstehen. 
  4. Am häufigsten als Folge erworbener Stoffwechselstörungen. 

Unterschiedliche Steine im urogenitelen Trakt: 

  1. Die erste Stelle aller Harnsteine nehmen Calciumoxalatsteine ein. Häufigkeit: 56-75 %
  2. Harnsäuresteine (Uratsteine), Häufigkeit 10-12 %. Uratsteine Bildung durch sauren Urin (pH-Wert < 6,0). Ursache: meist (wie Gicht) purin- und proteinreiche Ernährung. Harnsäurespiegel steigt auch bei Fastenkuren oder onkologischen Behandlung. Auch Pharmaka wie Benzbromaron, NSARs oder Diuretika können Ursache einer Harnsäurenephropathie sein.
  3. Calciumphosphatsteine (Brushitsteine) sind selten. 
  4. Häufigkeit sogenannter Infektsteine (aus Ammonium, Magnesium und Phosphat) 10%. Da ihre Bestandteile unter physiologischen Bedingungen (pH-Wert 6,2 – 6,5) im Harn vorhanden und gut löslich sind, entstehen sie erst bei pH-Werten > 7, die typischerweise bei Harnwegsinfektionen mit Urease-bildenden Bakterien auftreten. Deshalb sind vor allem Frauen betroffen, da diese häufiger eine Blasenentzündung haben als Männer.

Ursache von Harnsteinen = angeborene Stoffwechselstörung ist sehr selten. Die Bildung von Cystin- oder Xanthinsteinen aufgrund einer Cystinurie (genetisch bedingte angeborene Stoffwechselerkrankung) ist relevant. Es kommt zu einer erhöhten Ausscheidung der Aminosäure Cystin sowie von den strukturverwandten Aminosäuren Arginin, Lysin und Ornithin im Urin) bzw. Xanthinurie (ist eine Erkrankung des Purin Stoffwechsels, bei der es zu einer massiv erhöhten Ausscheidung von Hypoxanthin und Xanthin) kommt.

Nieren- und Harnleitersteine können lange Zeit unauffällig sein. Sie machen erst Symptome wie Schmerzen, wenn sie sich an den anatomischen Engstellen des Harnableitenden (Urogenitalsystem) einklemmen und stecken bleiben. 

Genauso verhält es sich nach meiner Erfahrung mit Muskelstein. Er kann lange unauffällig bleiben, bis ein Luftzug oder eine Nacht auf einer anderen Matratze oder Kopfkissen Schmerzen auslöst. 

Dabei treten im Harnableitenden (Urogenitalsystem) meistens:

  1. massive spastische Schmerzen (Koliken) auf
  2. können verschwinden und in unregelmäßigen Abständen zurückkehren. 

In der Muskulatur entspricht dies oft Muskelkrämpfen. Die Vorstufe von Muskelkrämpfen ist oft ein massives Verspannungsgefühl mit kribbelndem Gefühl oder taubem Gefühl. 

Je nach Sitz des Nierensteins strahlt der Schmerz:

  1. in die Nierengegend, wie Kreuzschmerzen in der LWS
  2. in den Harnleiterverlauf aus
  3. zu den Geschlechtsorganen aus, ohne dass diese krank sind
  4. machen einen Blähbauch
  5. führen zu Erbrechen
  6. führen zu einem langsamen Herzschlag = Bradykardie
  7. machen unkontrollierbaren Harndrang
  8. führen zu Dysurie
  9. verursachen Blut im Urin = Hämaturie.

Schon vor der ärztlichen Diagnose sollten die Schmerzpatienten/Schmerzpatientinnen (Koliken) eine zweckmäßige Schmerztherapie erfahren. Die Verdachtsdiagnose „Harnstein“ sollte durch eine Sonografie bzw. Röntgenaufnahme gesichert werden.

Nach Bestätigung der Diagnose stehen je nach Lage und Steingröße verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung.

  1. < 5 mm Durchmesser (ca. 80% der Fälle) können spontan abgehen, wird (im Gegensatz zur Cholelithiasis) in erster Linie konservativ therapiert. 
  2. Zunächst abwarten und beobachten, gegebenenfalls eine Chemolitholyse (z. B. bei Uratsteinen)
  3. medikamentöse Therapie. 

Darüber hinaus kommen folgende Verfahren zum Einsatz: 

  1. extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL); hier werden die Harnsteine mittels Ultraschallwellen gezielt zerstört
  2. perkutane Nephrolithotomie (PNL) ermöglicht die Entfernung mehrerer cm großer Steine durch die Punktion der betroffenen Niere 
  3. Harnleiter endoskopisch spiegeln und schienen, um den Steinabgang zu fördern.

Eine Harnsteinanalyse ist sinnvoll wegen den ernährungstherapeutischen Maßnahmen. Mit einem Papiersieb müssen die Patienten/Patientinnen die Steine beim Wasserlassen auffangen. Die Analyse erfolgt in der Regel durch Arzt und Labor. 

Ferner werden Harnwegsinfektionen von Ärzten/Ärztinnen frühzeitig antibiotisch behandelt.

  1. Broncholithen entstehen durch Einschlüsse von Gewebeteilen oder Fremdkörpern in den Ästen der Bronchien. Ursachen:

  1. vor allem Lungen Parenchym Schädigungen durch Infektionen
  2. Tuberkulose
  3. Histoplasmose
  4. chronisch entzündliche Prozesse
  5. nekrotische Prozesse 

führen dazu, dass sich kalzifizierte Bronchialsteine bilden. 

Wenn die auslösenden Erkrankungen unbehandelt fortbestehen, kann es zu lebensgefährlichen Einschränkungen der Lungenfunktion kommen, da der Gasaustausch in den tiefen Lungenbereichen gehemmt wird und die Flexibilität der Lungenflügel abnimmt. 

Die Symptome der Broncholithen sind unspezifisch und weisen zunächst auf grundlegende Erkrankungen der Atemorgane hin:

  1. chronischer Husten
  2. Fieber
  3. blutiger Auswurf
  4. Atemnot
  5. Brustschmerzen

Selten: 

  1. Pneumonie
  2. Entstehung von Fisteln im Bereich der Lunge
  3. Aushusten von Steinen. 

Nach der radiologischen und Bronchoskopie Diagnostik wird versucht, durch minimal-invasive Eingriffe mit einem Skalpell, fragmentierender Lasertechnik oder Kryotherapie die vorliegenden Konkremente aus den Bronchialästen zu operieren.

  1. Speichelsteine = Sialolithen

 

  1. Führen zu schmerzhaften Entzündungen der Mundspeicheldrüsen. 
  2. Bestehen aus Calciumcarbonat und -phosphat und stören den Sekretabfluss. 
  3. Symptome: Mundtrockenheit sowie Fistelbildung in der Mundschleimhaut. 
  4. Ursache: noch weitgehend ungeklärt. 
  5. Die individuelle Zusammensetzung des Speichels spielt eine Rolle.
  1. Statolithen und Otokonien

Sonderstellung unter den Konkrementen. Gleichgewichts- und Hörorgan vieler Säugetiere sind darauf angewiesen. Eingebettet in eine gelartige Matrix im Innenohr übertragen sie ihre Bewegungen bei Lageänderungen und Schallwellenaufnahme auf Sinnes- und Haarzellen. 

Statolithen sind nur wenige Mikrometer groß. Sie bestehen aus Calciumcarbonat (Calcit). Räumliche Ausdehnung und Oberflächenstruktur sind von Bedeutung für die Erzeugung der Sinnesreize. 

  1. Phlebolithen = versteinerte Thromben in Venen. 

Entstehung: in den Extremitäten nach langjährigem Krampfaderleiden. 

Becken-Phlebolithen: Frauen > Männern, da ihr Venennetz im Becken stärker ausgeprägt ist. Dabei kann es zu einem ähnlichen Beschwerdebild kommen wie beim Vorliegen von Nierensteinen. Phlebolithen sehen im Röntgenbild völlig anders aus als Urolithen, da es sich um kalzifizierte Blutgerinnsel handelt. 

Ein Fazit zu Steinbildung im Körper

Verschiedene Arten von Steinen / Konkremente haben eines gemeinsam: aus medizinischer Sicht bleibt man besser „steinarm als steinreich“, oder wie die Mönche des Shaolin sagen: „Das höchste Ziel im Leben ist die Geschmeidigkeit des Körpers zu erhalten, denn das Harte und Dürre bricht, das Weiche und Biegsame überlebt!“ 

Doch nicht jedes Steinleiden besitzt einen akuten Krankheitswert und muss behandelt werden. Lebensweise, die Ausschaltung beeinflussbarer Risikofaktoren und die Abklärung möglicher Symptome kann langfristig das Auftreten von Komplikationen in diesem Zusammenhang verhindern.

Quelle zuletzt besucht am 11.10.20, 10.00 Uhr.

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-14-2016/steine-im-koerper

Viele Steine im Körper können Schmerzen an ganz anderen Stellen verursachen als an denen, wo sie sich befinden, z.B. an der Schulter wird Schmerz wahrgenommen beim Anheben. Die Ursache muss aber nicht an der schmerzenden Stelle sein, sondern kann durch Muskelstein / Triggerpunkt im Muskel latissismus dorsi ausgelöst werden. Beim Lösen der Spannung / Muskelstein wird die Schulter oft wieder frei beweglich. 

Steinbildung im Körper und die Literatur

Viel Erfolg und Spaß beim Anhören dieses Themas und herzlichen Dank an Dich für eine Bewertung oder ein kurzes Feedback. Auch wenn Ihr ein Thema habt, über das Ihr Fragen habt, nehme ich es gerne mal als Thema einer Episode auf. 
Menü