Muskel + Psyche, Interview mit Michael Kopper aus Köln -Folge #057

Wieso verbinden sich Psychologie / Traumatherapie und Myo-Therapien am Körper?

Psychologe und Traumatherapeut Michael Kopper aus Köln erzählt hier aus seiner Erfahrung in der Praxis und im Sport. Traumatherapie und EMDR für Opfer von Gewalt, Mobbing, Missbrauch und Unfällen.

In der Praxis für Psychotraumatologie arbeite ich mit meinen Patienten und Patientinnen an dem Umgang mit belastenden und traumatischen Lebenssituationen. Dabei handelt es sich z.B. um konkrete erlebte Gewalt, Mobbing, sexuellen Missbrauch, Unfälle oder Naturkatastrophen.

Weitere Schwerpunkte sind in meiner Praxis : ADHS Therapie, Paartherapie und Aggressionstherapie, da sich hier unmittelbare Assoziationen ergeben. Markus Rachl und ich kenne uns schon seit vielen Jahren aus meiner Myoreflextherapie Ausbildung, gemeinsamen Patient*innen, gemeinsamen Seminaren, Vorträgen und Workshops. 

Psychologie Studium war eine gute Grundlage, um Schmerzen im Muskel zu verstehen

Anders als eine Richtlinientherapie, wie die Tiefenpsychologie oder die Verhaltenstherapie, setzen die Maßnahmen an den aktuellen Problematiken an, um frühzeitig einen Wiedergewinn der Orientierung und Kontrolle zu bewirken. Nach der Analyse Ihrer aktuellen Problematik ist es möglich, die aufrechterhaltende Grundlage Ihrer Symptomatik zu erfassen. Dies ermöglicht einen direkten Einstieg in die Therapie. Die spezifischen, Trauma therapeutischen Verfahren dienen zunächst der Stabilisierung, um in einem weiteren Schritt die gezielte Verarbeitung zur Veränderung der Gefühlslage in Richtung Gleichgewicht zu bewirken.

Die mehrdimensionale psychodynamische Traumatherapie (MPTT) nach Prof. Fischer in Kombination mit integrierten EMDR ist ein sehr effektives Verfahren zur Bewältigung von Belastungssituationen. Sie kommt jedoch aufgrund der Praxisorientierung auch bei Problematiken wie 

  1. ADHS 
  2. Beziehungskrisen
  3. Aggressionen 
  4. und vielem mehr zur Anwendung.

In unterschiedlichen Fernsehsendungen war der Psychologe und Traumatherapeut Michael Kopper bisher zu sehen. 

Auch meine eigenen Myoreflextherapie Ausbildungen zur Muskulatur wurden an der Uni Köln bei Prof. Dr. Gottfried Fischer vervollständigt. Über 7 Semester konnte ich in seinen Vorlesungen (Psychotraumatologie) und bei vielen privaten Treffen oder bei Tagungen etwas über Menschen mit Traumatisierungen und deren Behandlungen lernen. Dies hat auch in der Myoreflextherapie Ausbildung einen festen Stellenwert. Also Körper und Geist, so wie Menschen nun mal sind, anstatt Körper oder Geist.

Ich muss in einer Praxis für Myoreflextherapie / Körperarbeit mit Muskeln kein Psychologe sein. Aber die Therapeutinnen / Therapeuten müssen so viel von Zusammenhängen aus Psyche-Körper-Muskeln und Schmerzentstehung verstehen, dass sie wissen, wann sie als Muskeltherapeutin oder Muskeltherapeut einen Psychologen oder eine Psychologin hinzuziehen müssen.

Psychologie / Psychotraumatologie und Myoreflextherapie / Myohydrotherapie (am Körper) im Wasser ergänzen sich 

Psychologen tun gut daran, sich auch mit den psychischen Erscheinungsformen als Schmerzen von Erlebnissen in unserem Muskelsystem zu beschäftigen. Michael Kopper versucht die psychischen Erlebnisse, Erfahrungen aus unseren frühen Jahren in der Familie und Schule oder Freundeskreisen zu verstehen. Diese sollten wir als Erwachsene Menschen einordnen können und von heutigen Situationen und Erlebnisse trennen. So können Schmerzen besser verstanden, verarbeitet und behandelt werden. Diese Sichtweise kann auch erklären, wieso die Mediziner in der heutigen Zeit oft scheitern, wenn sie nur den Ort des Schmerzes untersuchen. Wenn es sich bei Schmerzen um einen akuten Unfall handelt, ist das eine andere Diskussion. Dann müssen auch Therapeutinnen und Therapeuten, die psychologisch oder mit Myoreflextherapie ausgebildet sind, genau an der Stelle schauen, die schmerzt. 

Meistens suchen uns Patientinnen und Patienten auf, weil sie schon lange unter einem Schmerz leiden, den sie nicht loswerden. Auch mit vielen Therapien und unterschiedlichsten Therapeutinnen oder Therapeuten gelingt es oft nicht den Schmerz loszuwerden. Die Stärke der Kombination aus Psychologie und Myoreflextherapie liegt so zu sagen in der Hand (des Therapeuten). Mit unseren Händen können wir die Spannungen tasten und lösen, die sich aus psychischen und emotionalen Ereignissen immer wieder in den Muskeln aufbauen und dort zu Schmerzen führen. 

Im Wasser lösen sich Emotionen und schmerzhafte Verspannungen im Körper oft noch schneller als an Land. Durch das sanfte Bewegen im Wasser und das Lösen der körperlichen Muskelspannungen, die durch psychisches Erleben im Körper festsitzen, fangen viele Menschen an zu weinen. Sie können die Anspannungen, die hinter der Muskelspannung liegen, endlich loslassen. Dies ist nicht immer mehr kontrollierbar, wie es sonst im Alltag oft noch funktioniert hat, damit „man“ funktioniert.

Emotionen und Erregung treten in vielen Lebenslagen auf und zeigen sich in der Muskulatur

Emotionen und Erregungszustände sind immer auch Teil unserer Bewegungen. Dazu gehören Emotionen wie:

  1. freudige Emotionen mit oder ohne Schmerzen aber lachendem Gesicht
  2. traurige Emotionen mit oder ohne Schmerzen und Tränen in den Augen
  3. ängstliche Emotionen mit oder ohne Schmerzen sowie eingezogenen Muskeln an der Brust
  4. ärgerliche Emotionen mit oder ohne Schmerzen aber Spannung in den Armen und Beinen
  5. aggressive Emotionen mit oder ohne Schmerzen und Spannung am Kiefer + Kiefermuskeln
  6. unsichere Emotionen mit oder ohne Schmerzen mit zittrigen Beinen
  7. positive Emotionen mit oder ohne Schmerzen
  8. negative Emotionen mit oder ohne Schmerzen
  9. unterdrückte Emotionen mit oder ohne Schmerzen mit Druck im Bauch
  10. ausgelebte Emotionen mit oder ohne Schmerzen
  11. verachtete Emotionen mit oder ohne Schmerzen
  12. unverstandene Emotionen mit oder ohne Schmerzen
  13. ……. Emotionen mit oder ohne Schmerzen. 

Schmerzen als Folge von nicht verstandenen Emotionen und zu wenig Meditation 

Viele Patientinnen und Patienten suchen Psychologinnen oder Psychologen / Psychotraumatologen oder Psychotraumatologinnen auf, weil sie unter etwas leiden. Ohne Leid gibt es oft keinen Anlass, etwas in unserem Leben zu verändern. Wenn Menschen zu Hr. Kopper in die Praxis in Köln kommen, arbeitet er erst mal mit dem Zustand, der gerade ist. Seine Art zu denken und zu handeln, wird von dialektischem Denken geleitet. 

Einen wichtigen Bereich nimmt heute das Üben der Meditation für ihn ein. Meditieren ist eine gute und sehr kostengünstige Art zu sich zu kommen. 

Meditation und Achtsamkeit sind wichtige Faktoren gegen Schmerzen in den Muskeln

  1. Meditation und Achtsamkeit sind wichtig

Meditation und Achtsamkeit sind wichtig, da viele Menschen nicht mehr bei sich, sondern wie außer sich sind. Das heißt sie sind auch ohne Schmerzen schon immer kurz vorm Explodieren. Schnell aggressiv und oft zu laut. Also nicht der Situation angemessen. 

Mit Meditation und Achtsamkeit können Patientinnen und Patienten lernen, sich zu kontrollieren. Dies kann helfen, Schmerzen zu reduzieren oder zu vermeiden.

  1. Meditation und Achtsamkeit sind lernbar

Meditation und Achtsamkeit sind wie alles im Leben erlernbar. Mit viel Geduld, guter Anleitung, Fleiß, Fokussierung und viel Ausdauer lassen sich Meditation und Achtsamkeit gut lernen und üben bis hin zur Meisterschaft. 

  1. Meditation und Achtsamkeit sind aussichtsreich

Meditation und Achtsamkeit können viele Menschen heute umsetzten. In Trainings lernen nicht nur Schmerzpatientinnen oder Schmerzpatienten Meditation und Achtsamkeit. Schon seit Jahrhunderten lernen östliche Kulturen Meditation und Achtsamkeit, auch wenn sie noch keine körperlichen oder emotionalen Schmerzen haben. Es gibt inzwischen Forschung (Buchtipp: Meditation und Hirnforschung) mit Mönchen, die 25000-50000 Stunden Erfahrung mit Meditation und Achtsamkeit haben. Also auch die Wissenschaft interessiert sich für Meditation und Achtsamkeit als Forschungsbereich. 

Für viele Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten kann diese Forschung, Ergebnisse und Veröffentlichungen über Meditation und Achtsamkeit hilfreich sein. Es bleibt zu wünschen, dass sich diese Art, mit sich selbst zu beschäftigen, auch im Westen immer mehr Menschen praktizieren werden. So können wir mitfühlende und kluge Entscheidungen mit wenig Stress oder Schmerzen treffen. 

  1. Meditation und Achtsamkeit sind in der Behandlung einsetzbar

Wenn Therapeutinnen und Therapeuten von Schmerzpatientinnen oder Schmerzpatienten Meditation und Achtsamkeit lernen, können sie aus meiner Erfahrung als eh. Ausbilder für Myoreflextherapie besser behandeln. Nicht weil sie wieder eine neue Behandlungstechnik von noch einem neuen „Guru“ lernen, sondern weil sie sich in der Innenwelt besser kennen lernen. Dies lernen unsere Apnoetauchschülerinnen und Apnoetauchschüler oder ausgebildete Myoreflextherapeutinnen oder Myoreflextherapeuten in meiner Praxis. So bleiben sie durch Einatmen mit dem Bauch auch beim Behandeln bei sich und drücken nicht so fest auf die muskulären Druckpunkte am Sehnenansatz oder Triggerpunkt. 

  1. Meditation und Achtsamkeit sind im Sport einsetzbar

Was sich gerade bei Fußballspielern zeigt, ist, wie sehr ihnen Meditation und Achtsamkeit sowie die Bauchatmung helfen können, bei sich zu bleiben. So spielt es keine Rolle, wie sehr einen die Gegenspieler zu beleidigen versuchen. Wenn der Schiri pfeift, kann man immer erst mal tief durchatmen und dann gelassen weiterspielen. Die Entscheidung ist eh schon Vergangenheit und wird erfahrungsgemäß ohne Videobeweis (nur Bundesliga) selten zurückgenommen. Episode dazu:

https://muskel-gesundheit.de/atmung-ist-die-grundlage-unseres-lebens-atmen-im-training-atmen-in-der-therapie-folge-055/

Andere Sportler auf ihrem Weg zum Profi üben ebenso Meditation und Achtsamkeit, um sich zu verbessern. Episode dazu:

https://muskel-gesundheit.de/interview-mit-tennis-as-niklas-koch-aus-koeln-einem-leistungssportler-mit-herz-folge-050/

Psychischer Ausgleich, Balance, im Gleichgewicht sein mit Myoreflextherapie und Meditation

Ausgeglichenheit, in Balance sein, wünschen sich viele unserer Schmerzpatientinnen oder Schmerzpatienten in der Myoreflextherapie Behandlung in der Praxis in Köln und Haslach. Auch bei Hr. Kopper in der Praxis in Köln wird versucht, die Schmerzpatientinnen oder Schmerzpatienten nach emotional belastenden Erlebnissen wieder in eine emotionale Balance zu bringen. 

Aus meiner Erfahrung mit der Arbeit der Muskeln bei diesen Schmerzpatientinnen oder Schmerzpatienten, brauchen wir bei verschiedenen Trainings nicht nur eine Balance, da unser Alltag sowieso schon bestimmte einseitige Bewegungs- und Haltungsmuster ständig fordert so zum Beispiel beim Sitzen oder Radfahren (siehe Bilder). Dann muss das ausgleichende Training zum Beispiel der Bauchmuskeln nicht 50%-50% Verkürzung und Verlängerung-Krafttraining sein, sondern eher 20% zu 80 %. Sonst folgen logischerweise Rückenschmerzen und im schlimmeren Falle Bandscheibenvorfälle, da der unter dem geraden Bauchmuskel liegende Hüftbeuger Muskel immer in die Verkürzung (z.B. Gerätetraining) gekräftigt wird. Die Kraft wirkt dann im Stehen zwangsläufig ständig in der Lendenwirbelsäule. 

Es geht also nicht nur darum, die Rücken- und Bauchmuskeln zu stärken, sondern auch darum, sowohl in die Verkürzung, als auch in die Länge, Kraft in die Muskeln zu trainieren. So kommen wir in einen ausgeglichenen, körperlichen Zustand, der uns gesund hält, egal welchen Beruf wir wählen oder welchen Sport wir trainieren. 

Muskelspannung als Grundlage unseres psychischen Erlebens

 Muskeln spannen sich in jeder Lebenssituation mit an. Wir können unsere Emotionen nicht von der Bewegung getrennt betrachten. Das können  wir natürlich schon machen, hilft uns als Therapeutinnen / Therapeuten in der Behandlung aber oft nicht wirklich weiter. In unserer Lebensgeschichte hinterlassen Ereignisse wie Unfälle, Gewalt oder Überfälle ihre Spuren im Gedächtnis, ebenso in unserer Muskulatur. Wenn wir in der Myoreflextherapie oder Myohydrotherapie (im Wasser) die Muskeln behandeln, lösen wir die Spannung an den Druckpunkten / Triggern. Was dann sein kann, ist, dass alte Erlebnisse oder Unfälle langsam wieder im Gedächtnis auftauchen. 

Wir hören in der Praxis in der Behandlung oft: „Da fällt mir ein…“. Wenn es Erlebnisse waren, die nicht so schlimm oder Unfälle ohne Traumatisierung waren, lösen sich die Spannungen eben auf. 

Wenn es allerdings traumatische Erlebnisse waren, dann lohnt sich der Weg zu einem Psychologen mit Trauma Ausbildung und im besten Fall viel Erfahrung mit Trauma Patientinnen oder Trauma Patienten.  

Viel Erfolg und Spaß beim Anhören dieses Themas und herzlichen Dank an Dich, für eine Bewertung oder ein kurzes Feedback. Auch wenn Ihr ein Thema habt, über das Ihr Fragen habt, nehme ich es gerne mal als Thema einer Episode auf. 
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